Von der Aufsicht zum Glück gezwungen

ERM
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23. Juli 2019
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David Lamouroux, Stefan Mainz

Mit LCR, NSFR und ALMM hat sich die Aufsicht bis auf einen Liquiditätshorizont von einem Tag vorgearbeitet. Jetzt beginnt sie sich zunehmend dafür zu interessieren, welche Fähigkeiten die Banken haben, auch die innertägige Verwendung der verfügbaren Liquidität zu überwachen. Und sind die Augen für die Innertageswelt erstmal geöffnet, merkt man schnell: Der Blick lohnt sich.

Die meisten Banken werden die erwarteten Liquiditätsabflüsse und -zuflüsse eines Tages quantifizieren können. Aber wie viele mag es geben, die darunter auch die zeitspezifischen und anderweitig kritischen Zahlungen identifizieren und priorisieren können, um sie den Usancen entsprechend zu bedienen? Wie viele davon können darüber hinaus die innertägigen Zeitpunkte von Zu- und Abflüssen prognostizieren und die innertägige Liquiditätsposition gegenüber den erwarteten Vorgängen und der verfügbaren Liquidität überwachen – und das nicht nur in Euro, sondern in allen wesentlichen Währungen?

Es mag löbliche Ausnahmen geben. Dennoch darf auch zehn Jahre, nachdem der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) diese und noch weitere Anforderungen in seinen „Principles for Sound Liquidity Risk Management and Supervision” (BCBS 144) formuliert hat, bezweifelt werden, dass europäische Banken diese Ansprüche flächendeckend und vollumfänglich erfüllen. Und anscheinend hat sich die Aufsicht im Euroraum daran auch lange nicht gestört.

Denn ebenso wie die Principles waren auch die darauf aufbauenden „Monitoring tools for intraday liquidity management“ (BCBS 248) fast ein wenig in Vergessenheit geraten, nachdem sie 2013 veröffentlicht wurden. Hatte der Ausschuss selbst noch eine Berichtspflicht ab dem 1. Januar 2015 vorgesehen („preferably no later than 1 January 2017“), hat die EBA ihre Ankündigung, diese Anforderungen 2016 in ihren „Guidelines on intraday liquidity risk“ zu konkretisieren, zunächst auf 2017 verschoben und dann 2018 stillschweigend von der Agenda genommen.

In jüngster Zeit drängt die EZB allerdings die von ihr direkt beaufsichtigten Institute verstärkt dazu, Rechenschaft über die Anstrengungen in diesem Bereich abzulegen. Damit liegt der Handlungsbedarf zu einem gewissen Grad im Ermessen des Aufsehers.

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 06/2019. Die Ausgabe ist seit dem 26. Mai 2019 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autoren:
Dr. David Lamouroux
ist Senior Consultant bei der Basycon Unternehmensberatung GmbH und aktuell als Projektleiter eines BCBS 248-Projekts bei einer deutschen Großbank tätig. Der promovierte Physiker ist auf regulatorische und aufsichtliche Projekte im Risikocontrolling von Banken spezialisiert.
Stefan Mainz
ist Partner im gleichen Unternehmen. Der studierte Informatiker ist seit über 20 Jahren in der Managementberatung tätig und begleitet Banken und Großunternehmen bei der Digitalisierung ihrer Prozesse und der Einführung komplexer Softwaresysteme.

Bildquelle: iStock.com/Marcus Lindstrom